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Weniger Lärm auf der Neugeborenenstation

Frühgeborene Babys sind oft gesundheits- schädlichem Lärm ausgesetzt. Die Neu- geborenenstation des Universitätsklinikums Umeå in Nordschweden zeigt, dass es auch anders geht.

Ruhe auf der Neugeborenenstation – so geht’s:

  • Sprechen Sie leise.
  • Schalten Sie alle verzichtbaren Alarme ab.
  • Platzieren Sie die Geräte so weit möglich vom Kopf des Kindes entfernt.
  • Montieren Sie eine schallabsorbierende Decke und andere Maßnahmen zur Verbesserung der Raumakustik.
  • Dimmen Sie die Beleuchtung. Bei gedämpften Licht senken wir automatisch unsere Stimme.
  • Öffnen Sie die Stationstür nur, wenn es wirklich nötig ist.
  • Bündeln Sie die Untersuchung und Pflege („Clustered Care“), aber berücksichtigen Sie dabei den Rhythmus des Kindes.
  • Verwenden Sie Gehörschützer speziell für kleine Ohren.

“Das Gehirn von frühgeborenen Babys wächst noch und reagiert besonders empfindlich auf laute Geräusche. Trotzdem ist es auf Säuglingsstationen oft laut – Apparate summen, Alarmgeräte piepsen, Menschen geben einander Anweisungen. Die Inkubatoren vibrieren wie Trommeln und verstärken die Geräusche der Außenwelt,” “, erklärt der Neonatalspezialist Dr. Johannes Van den Berg.

Neugeborenenstationen sind laut – und der Lärm dringt ungedämpft in die empfindlichen Ohren der frühgeborenen Babys, wirkt sich auf Puls, Blutdruck und Schlafqualität aus. Die Atmung wird unregelmäßig und die Sauerstoffversorgung des Gehirns verschlechtert sich. Gerade Frühchen reagieren darauf sehr empfindlich. In ihrem heiklen Zustand kann das zu schwere Folgen wie Hirnblutungen führen.

Extreme Lärmbelastung in Hubschraubern – die wahrscheinlich extremste Lärmbelastung von frühgeborenen Babys ist der Notfalltransport im Hubschrauber oder Flugzeug.

“Dabei ist das Frühchen einem durchschnittlichen Pegel von 90 Dezibel ausgesetzt. Zum Vergleich: Ein alter Staubsauger in einem Meter Entfernung macht nur 80 Dezibel Lärm,” erklärt Van den Berg. „Die Ärzte und Piloten tragen Helme mit Gehörschützern, aber die Ohren des Babys sind in aller Regel im Inkubator ungeschützt.” 

Untersuchungen haben gezeigt,   dass der durchschnittliche Geräuschpegel auf Neugeborenenstationen weit mehr als die 45 Dezibel beträgt, die von der US-amerikanischen Akademie für Kinderheilkunde als Grenzwert empfohlen werden. Bei Kindern, die in einer Neugeborenen-Intensivstation behandelt wurden, ist das Risiko dauerhafter Schwerhörigkeit mehrfach erhöht.

Während der Renovierung vor vier Jahren berücksichtigte die Neugeborenen-Intensivstation des Universitätsklinikums Umeå diese Tatsache. Die renovierte Station ist geräumiger, hygienischer und vor allem leiser geworden.

Früher wurden auf der Station drei bis fünf Frühchen gleichzeitig behandelt. Die Station besteht nur aus einem Raum, war lediglich 35 Quadratmeter groß und mit lautstarker Medizintechnik vollgestellt. Anwesende Eltern unterhielten sich oft quer durch den Raum. “Die Blechdecke reflektierte den Schall und verstärkte den ohnehin hohen Geräuschpegel weiter,” erinnert sich Johannes Van den Berg.

In der neuen, 86 Quadratmeter großen Station hat jedes Baby seinen eigenen, abgeschirmten Bereich. Die Stationsleitung ließ eine schallabsorbierende Akustikdecke einziehen. Überwachungsgeräte, die oft Fehlalarme ausgelöst hatten, wurden entfernt, und die restlichen Geräte so weit wie möglich von den Babys aufgestellt.

Die Verwaltungsbüros und Unterkünfte wurden verlegt und ambulante Patienten müssen nicht mehr an der Neugeborenenstation vorbeigehen. Nach einer Prüfung der Abläufe hat die Stationsleitung die Pflege und Untersuchung der Babys zusammengelegt und den kleinen Patienten damit mehr Ruhe und Schlaf verschafft.

Der Geräuschpegel hat radikal abgenommen und die Mitarbeiter sind jetzt deutlich weniger gestresst,” bilanziert Johannes Van den Berg. 

 


Quelle: 
Dr. Johannes Van den Berg 

Text: Fredrik Sieradzki 

Foto: Elin Ohlsson und Johannes Van den Berg 

 

 

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