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Artikel Lärmwirkung

Über Lärmwirkung und Strategien zur akustischen (Um)Gestaltung von Großraumbüros

Büroflächen werden heutzutage weniger als Arbeitsplätze für isoliertes Arbeiten verstanden, sondern vielmehr als Begegnungsstätte für Mitarbeiter. Um die Kommunikation und Interaktion von Mitarbeitern zu fördern, wird die für die Konzentration und Produktivität so wichtige akustische Privatsphäre (die „Belauschbarkeit“ von fremden und eigenen Gesprächen) bei der Gestaltung von Büros heutzutage oftmals vernachlässigt. Dies mag kurzfristig Kosten reduzieren, führt aber auf längere Sicht oft zu Unzufriedenheit von Mitarbeitern. (1) Dabei können gezielte akustische und organisatorische Maßnahmen Belästigungen durch Bürolärm nachhaltig reduzieren.

Wie werden Geräusche wahrgenommen und was sind die Auswirkungen von Schallexposition?

Das menschliche Hörsystem ist hochentwickelt. Bei der Anwesenheit mehrerer Schallquellen ist es in der Lage, Signale einer bestimmten Schallquelle gezielt aus einem Gemisch zu filtern und „ungewollte“ Geräusche zu unterdrücken. Diese Fähigkeit des selektiven Hörens wird auch „Cocktail-Party Effekt“ genannt und ist in Büroumgebungen von großer Bedeutung.

Während das aktive Mithören bzw. Belauschen eines Kollegen heutzutage von Firmen angestrebt wird um Kollaborationen/Interaktionen zwischen Mitarbeitern zu erleichtern, kann es auch zu problematischen Situationen führen. Zunächst schränkt es die Privatsphäre eines jeden Mitarbeiters ein und mindert gleichzeitig bei der Anwesenheit mehrerer Schallquellen nachhaltig die kognitive Leistungsfähigkeit. In der Büroplanung muss dieser Effekt berücksichtig werden.

Auch unter ungünstigen akustischen Bedingungen ist das menschliche Hörsystem in der Lage, Sprache zu verstehen. In der Büroplanung muss dieser Effekt berücksichtigt werden, um Mitarbeitern eine akustische Privatsphäre zu gewähren.


Bei der Beschreibung von Lärmwirkungen auf den Menschen wird grundsätzlich zwischen auralen, das Gehör betreffenden Wirkungen und extra-auralen, nicht das Gehör betreffenden Wirkungen unterschieden. Extra-aurale Wirkungen beziehen sich z.B. auf das Wohlbefinden oder die Leistungsfähigkeit.

Oseland & Hodsman (2) haben eine weitere Unterteilung vorgenommen:

  • Physikalisch -> Schallpegel von mehr als 85 dB können längerfristig Gehörschäden verursachen; Schallpegel von 140 dB führen sofort zu Gehörschäden, wenn kein Gehörschutz verwendet wird;
  • Physiologisch -> erhöhte Schallpegel (55-70 dB) können zu biologischen Veränderungen führen, wie z.B. einer erhöhten Herzfrequenz und einem erhöhten Blutdruck;
  • Psychisch -> Schallexposition im Allgemeinen kann zu einer Veränderung des psychischen Zustands führen; Menschen werden gereizt, das Stressniveau kann erhöht werden und es kann zu einem Leistungsabfall kommen.
     

Welche Art von Bürolärm stört uns am meisten?

Inwieweit Bürolärm als störend empfunden wird, hängt von der Schallquelle und der Art des Lärms ab (ist er impulshaftig oder konstant), dem Informationsgehalt sowie der ausgeübten kognitiven Tätigkeit.

Studien haben gezeigt, dass Mitarbeiter, die hauptsächlich routinierte Bürotätigkeiten ausführen, sich weniger von Lärm belästigt fühlen, hingegen Mitarbeiter, die komplexe kognitive Tätigkeiten ausüben, am meisten auf Ruhe angewiesen sind. (3)

Zu den dominantesten Störquellen in der heutigen Büroumgebung zählen unerwünschte, irrelevante Hintergrundsprache, Telefonieren und Telefonklingeln (lassen). Die Unkontrollierbarkeit und Unvorhersehbarkeit des Lärms wird als besonders störend empfunden.

Schlechte akustische Bedingungen begünstigen die Schallausbreitung im Raum und führen meist zu einer erheblichen Belästigung von Mitarbeitern. In einer Studie des Instituts für Stressforschung in Stockholm wurde die Raumakustik in Großraumbüros untersucht. Es konnte festgestellt werden, dass durch die Reduzierung der Schallausbreitung innerhalb der Büros die kognitive Belastung um 11% sank und der Grad der wahrgenommenen Störung um 16%. (3)

Warum ist akustische Privatsphäre so wichtig?

Mehrere Studien haben nachgewiesen, dass der Mangel an akustischer Privatsphäre als Hauptquelle von Belästigung und Störung in Büros angesehen wird. (1)

Je komplexer die kognitive Tätigkeit, je informationshaltiger das Schallsiginal und je schlechter die akustischen Umgebung ist (also sich der Schall leicht “ausbreitet”), je größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Produktivität (kognitive Leistung) von Mitarbeitern beeinträchtigt ist.


Die Persönlichkeit jedes Mitarbeiters spielt bei der Wahrnehmung von Lärm ebenfalls eine Rolle. Studien haben gezeigt, dass introvertierte Personen in einer lauten Büroumgebungen große Probleme haben, konzentriert einfache oder komplexe Aufgaben ausführen zu können. Deshalb ist es auch gerade für introvertierte Personen wichtig, akustische Privatsphäre zu schaffen. Eine extrovertierte Person hingegen wird in lauteren Umgebungen „stimuliert“ und kann dadurch komplexere Tätigkeiten besser ausführen. (2)

Akustische Privatsphäre in Büros schaffen

Natürlich lässt sich Lärm in Büroumgebungen nicht vollständig vermeiden. Mit gezielten akustischen und organisatorischen Maßnahmen, lässt er sich jedoch minimieren.

Diagnose: Was ist das Problem?

Konzentrierte Arbeit erfordert ein hohes Maß an akustischer Privatsphäre, im Gegensatz zu Interaktion und Kommunikation. Oft wird versucht, Kommunikation und Konzentrationsarbeit in einem Raum “unter einen Hut” zu bringen, was häufig zu Problemen führt.

Aktivitätsanalyse

Das Ziel sollte es sein, eine Zonierung des Büros vorzunehmen, die so individuell wie möglich auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter abgestimmt ist. Mit dem Activity Based Acoustic Design hat Ecophon eine Methode entwickelt, die Räume schafft, die einen hohen Grad an Kommunikation und Konzentration gewährleisten können.

Optimale Raumakustik

Unser Gehör ist perfekt an das Leben in freier Natur angepasst. Heute jedoch findet unser Leben kaum noch draußen statt. Die meisten Menschen verbringen 90% ihrer Zeit in geschlossenen Räumen, die für das menschliche Ohr nicht geeignet sind. Eine gute akustische Umgebung ahmt die Natur in gewisser Weise nach, um akustischen Komfort mit einer geringen Schallausbreitung zu schaffen.

Eine gute Raumakustik in Büros sollte folgende Ziele haben:

  • Unterstützung von Mitarbeitern, die an konzentrierten oder komplexen Aufgaben arbeiten
  • Kommunikation innerhalb des Teams verbessern
  • Störungen durch unerwünschte Sprache reduzieren
  • Akustische Privatsphäre verbessern

In einer Situation im Freien breitet sich Schall „frei“ aus und klingt schnell ab (Situation 1, Schallreflexionen sind in der Abbildung als Pfeile dargestellt). Für Büroarbeit wäre diese Situation ideal, da die akustischen Bedingungen die direkte Kommunikation erleichtern, die akustische Privatsphäre verbessert und Konzentration und Kreativität fördern.

Nun arbeiten wir hauptsächlich in geschlossenen Räumen, die mit schallharten Oberflächen ausgestattet sind. Diese tragen zu lauten Schallpegeln und einer erhöhten Schallausbreitung bei, die Mitarbeiter beeinträchtigt (Situation 2). In Büroräumen kann dies zu einer Kettenreaktion führen, indem jeder Mitarbeiter versucht, den Grundgeräuschpegel durch erhöhte Sprachlautstärke zu kompensieren und der allgemeine Geräuschpegel weiter steigen lässt (Lombard-Effekt). Außerdem werden dadurch Gespräche von Mitarbeitern verständlich, was in einer geringen akustischen Privatsphäre resultiert.

Mit einer hochabsorbierenden Decke, die Schallreflexionen stark bedämpft, kann diesem Effekt entgegengewirkt und eine akustische Situation im Freien in gewisser Weise „simuliert“ werden (Situation 3). Neben Decken sollten Schallabsorber auch an Wänden integriert werden.

Situation 1: Gute Akustik / „freie“ Schallausbreitung   Situation 2: Schlechte Akustik; Situation in Räumen mit schallharten Oberflächen und ohne Absorption    Situation 3: Gute Akustik, „simulierte“ Situation im Freien mit hochabsorbierender Decke    
           
         

 

Eine gute Raumakustik hat viele Vorteile für das Unternehmen und deren Mitarbeiter. Eine gute Raumakustik im Büro kann:

  • die Motivation am Arbeitsplatz um 60% erhöhen
  • die Leistung bei Konzentrationsarbeit um bis zu 50% erhöhen
  • den Adrenalinausstoß um 30% senken
  •  die Kopfrechenleistung um 20% erhöhen

Ecophon bietet hochabsorbierende Decken in Modulbauweise und Wandlösungen an…

Verhaltensregeln & Change Management

Wenn Mitarbeiter in eine neue Arbeitsumgebung umziehen, ist es wichtig, sie so eng wie möglich in den Prozess der Gestaltung einzubeziehen.

Neben einer guten Raumakustik, können Verhaltensregeln an Mitarbeiter kommuniziert oder von Mitarbeitern entwickelt werden. Diese können im Rahmen eines Workshops vermittelt werden.

Beispiele für Verhaltensregeln sind:

  • lange Diskussionen in unmittelbarer Nähe von Schreibtischen vermeiden
  • leise am Telefon und mit Kollegen sprechen
  • Unterhaltungen beim Gehen vermeiden
  • Konferenzgespräche und Besprechungen in einem Einzelbüro oder einem speziellen Raum abhalten
  • Diskussionen mit Kollegen an entfernten Arbeitsplätzen vermeiden
  • Geräuschpegel am Headset so einstellen, dass es nicht zu laut ist.
  • Klingeltöne am Computer minimieren bzw. eliminieren und stattdessen Leuchtanzeigen verwenden
  • Mobiltelefone nur auf Vibrationen einstellen

Ecophon begleitet Sie von der Planung bis zur Umsetzung Ihres Bürokonzeptes mit unser bewährten Sound-Proof-Methode. Erfahren Sie hier mehr….

 

Referenzen

[1] Tietema. Y. (2015). Towards a productive working environment for brain workers - Strategies for the creation of an optimum acoustic working environment, White Paper Saint-Gobain Ecophon

[2] Oseland, N., & Hodsman, P. (2015). People centred offices, A psychological approach to resolving office noise distraction. Londen: Workplace Unlimited, Saint-Gobain Ecophon.

[3] Sailer, U. & Hassenzahl, M. (2000). Assessing noise annoyance: an improvement-oriented approach. Ergonomics 43(11), S. 1920 – 1938 

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