Akustiksanierung verändert Signes Leben

Die Akustikumbauten in einer dänischen Schule in Kjellerup haben den Alltag einer hörgeschädigten Schülerin spürbar verändert. Signe Nyrup Mogensen ist 14 Jahre alt. Sie wurde schwerhörig geboren.

”Signes Leben hat sich von Grund auf verändert”, erzählt ihre Mutter, Gitte Nyrup Mogensen, und Signe, die ihre Noten verbessern konnte und mittlerweile gern auf die Schule geht, stimmt zu. 

Signe Nyrup Mogensen ist 14 Jahre alt. Sie wurde schwerhörig geboren. Ihre Hörbehinderung ist als mittelschwer eingestuft. Insbesondere höhere Töne bereiten der Schülerin Probleme, die auf ein Hörgerät angewiesen ist.

Obwohl Signe auf beiden Seiten eine Hörhilfe trägt, kann sie nicht in allen Situationen gleich gut hören: „Früher hatte ich Probleme mit dem Lärm im Klassenzimmer. Ich konnte mich nicht konzentrieren und verstand nicht immer, was der Lehrer sagte.”

Ein Hör- und Sprachtherapeut bestätigte die Befürchtung von Signes Eltern, die sich bereits an die Schule gewandt hatten: Ihre Tochter hatte Probleme, dem Unterricht zu folgen und außerhalb des Unterrichts hatte sie kaum Sozialkontakte. Signe wollte einfach nicht mehr zur Schule gehen. 

Radikale Maßmahmen

Die Akustikumbauten in der Schule haben Signes Leben grundlegend verändert. Der Hör- und Sprachtherapeut machte die Schulleiterin Lone Stig Andersen auf das Problem aufmerksam. Gemeinsam suchten sie nach einer Lösung. Die Gesamtschule bietet Pflichtschulunterricht für alle Schüler an, auch für Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen. Erst kürzlich war die Schule großzügig ausgebaut worden. Der älteste Teil des Gebäudes wurde in den 1960er Jahren erbaut.

Andersen beschreibt die Ausgangslage: „Durch die alte Deckenkonstruktion hatten wir eine sehr schrille Geräuschkulisse. Wenn ein Stift herunterfiel, hallte es im ganzen Zimmer. Ich hatte schon früher mit Hörgeschädigten gearbeitet und wusste, dass die Akustik bei uns wirklich ungünstig war. Ich sah, wie sehr Signe unter der Situation litt und wollte unbedingt eine Lösung finden.” 

Die örtliche Schulbehörde und der Schulträger unterstützten das Vorhaben. Sie genehmigten Umbaumaßnahmen zur Verbesserung der Akustik und eine neue Hörtechnik-Ausstattung. 

Bessere schulische Leistungen

Student's in classroomDie Wände und die neue Decke in Signes Hauptklassenzimmer wurden mit schallabsorbierenden Materialien verkleidet. Dadurch konnte der Lärmpegel gesenkt werden und auch störende Echos waren verschwunden. Das gleiche Material wurde später auch im angrenzenden Klassenzimmer verbaut.

Mikrofone verstärken die Stimmen und sorgen dafür, dass Signe ihre Mitschüler und Lehrer klarer hören kann. Das Sprechen in Mikrofone ist für die Mitschüler ganz natürlich geworden. Für Präsentationen und Filme wurde eine Lautsprecheranlage installiert.

Signes Mutter bestätigt, dass sich vieles für ihre Tochter verbessert hat. Ihr fällt es jetzt deutlich einfacher, dem Unterricht zu folgen und das Gesagte zu verstehen. „Signes Noten waren früher unterdurchschnittlich und jetzt sind sie überdurchschnittlich. Sie ist jetzt Klassenbeste und geht ausgesprochen gern in die Schule. Die Veränderung ist einfach unglaublich!”

Besonders auffällig waren für Signe die Verbesserungen im Fremdsprachenunterricht: „Englisch ist viel besser geworden, aber auch in anderen Fächern, in denen viel diskutiert wird, bekomme ich jetzt mehr mit.“ 

Besseres Verständnis

Auch die Lehrer verstehen jetzt besser, welche Probleme schwerhörige Schülerinnen und Schüler haben. Das gilt auch für die Mitschüler, für die das Sprechen in Mikrofone ganz normal geworden ist. Das Verständnis für die spezifischen Probleme von Schwerhörigen hat ebenfalls zugenommen.

„Das Lernen in Gruppen hat sich deutlich verbessert, selbst wenn wir die neuen Mikrofone gar nicht nutzen. Die Mitschüler reden jetzt nicht mehr durcheinander. Sie sprechen etwas langsamer und heben die Stimme nicht mehr so schnell“, sagt Signe.

Von diesem Verständnis profitiert Signe sogar außerhalb des Klassenzimmers. Die Kommunikation mit Freundinnen fällt Signe auch in den Pausen und in der Freizeit deutlich leichter.

„Leider war es für Signe eher schwierig, Freundinnen zu finden“, erklärt Schulleiterin Andersen. „Sie konnte an den Gruppengesprächen nicht teilnehmen und hat sich meist abgesondert. Heute hat sie ein viel stärkeres Selbstbewusstsein.“ 

Neue Energie

Nicht nur in der Schule findet sich Signe jetzt besser zurecht, auch ihre Freizeit hat sich verbessert. „Wenn ich aus der Schule komme, bin ich nicht mehr erschöpft und habe keine Kopfschmerzen mehr“, freut sie sich

Auch die Eltern haben bemerkt, dass ihrer Tochter der Unterricht leichter fällt und sie mehr Energie für die Freizeit hat. Ihr Vater sagt:

„Signe hat mehr Energie für die Hausaufgaben und vor allem weiß sie auch, welche Hausaufgaben sie überhaupt hat. Früher mussten wir häufig bei den Lehrern nachfragen, weil Signe nicht wusste, welche Hausarbeiten sie aufgegeben hatten.

Die Schulleiterin lobt die beachtlichen Fortschritte: „Ich  freue mich, dass Signe mit den Schulaufgaben
so gut klarkommt und vor allem, dass sie so gern zur Schule geht und viel besser integriert ist.” 

Vorteile für alle

Auch die Leistungen der anderen Schülerinnen und Schüler haben sich verbessert. „Vor ein paar Jahren, noch vor den Umbauarbeiten, haben alle Schüler einen Test gemacht. Wir haben sie in den Folgejahren mehrere Vergleichstests in unterschiedlichen Fächern schreiben lassen und die Leistungen der gesamten Klasse haben sich verbessert. Durch die neue Raumakustik können sich die Schüler besser konzentrieren. Darüber freue ich mich als Schulleiterin natürlich.“

Im kommenden Jahr stehen die nächsten Modernisierungsarbeiten an und für Andersen steht schon fest, welchen Schwerpunkt sie setzen will:

„Wir wollen die Akustik im gesamten Gebäude verbessern und weitere Bereiche an die speziellen Bedürfnisse von Signe anpassen. Die erste Modernisierung war ein echtes Aha-Erlebnis. Sie hat uns gezeigt, wie wichtig eine gute Raumakustik ist – und das gilt eigentlich für alle Schulen.”

 

Text: Mia Ising

Fotos: Joakim Lindhé