Neun von zehn Schülern beklagen Lärmbelastung

  • Aktuelle Ecophon-Umfrage zur Akustik in Schulgebäuden
  • Große Mehrheit leidet unter hohem Geräuschpegel im Klassenzimmer
  • Mundschutz erschwert die Verständlichkeit
  • Akustikdecken und Schallabsorber können Situation deutlich verbessern
Forschung & Objektbericht Experten-Interviews Akustikwissen Bildungseinrichtungen

pexels-charlotte-may-5965972.jpgNach der Rückkehr in die Schule bleibt der Unterricht besonders mit Mund-Nasenbedeckung eine akustische Herausforderung: Laut einer aktuellen, repräsentativen Ecophon-Umfrage in Frankreich verstehen 90 Prozent der Schüler die Lehrer wegen des Mundschutzes schlechter. Fast ebenso viele halten ihre Schule generell für zu laut. Ein kürzlich erschienenes Gutachten im Auftrag des Grundschulverbandes (GSV) verweist auf ähnliche Probleme in Deutschland.

 

In Schulen ist ein gutes Lernumfeld unerlässlich für die Kinder, um den Lehrer, aber auch die Mitschüler zu verstehen, mitzudenken und zu lernen. Leider ist es in vielen Klassen aber dauerhaft zu laut: Stress, eine verminderte Konzentrationsfähigkeit und Leistungsdefizite sind die negativen Folgen. Ein aktuelles GSV-Gutachten zur Arbeitssituation in der Grundschule identifiziert Lärm als allgegenwärtigen Belastungsfaktor. Es stützt sich u. a. auf das von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beauftragte Forschungsprojekt „Lärm in Bildungsstätten“, in dem Wissenschaftler der Universität Bremen herausgefunden haben, dass ein durchschnittlicher Schallpegel im Unterricht von ca. 65 dB(A) Kommunikationsprozesse vielfach erschwert und teils sogar unmöglich macht. Die aktuelle Ecophon-Umfrage zum Thema „Schüler und Lärm in ihrer schulischen Umgebung“ belegt, dass es sich dabei um ein strukturelles Problem auch über die Landesgrenzen hinaus handelt.

Mehrheit beklagt Konzentrationsprobleme und Kopfschmerzen

Im Rahmen der repräsentativen Studie beurteilten Gymnasiasten und Mittelschüler aus ganz Frankreich die akustische Situation an ihren Schulen (die Mittelschule ist in Frankreich zwischen Grundschule und weiterführende Schule geschaltet und existiert in dieser Form in Deutschland nicht). Das beunruhigende Resultat: Knapp neun von zehn der befragten Kinder und Jugendlichen (86%) gaben an, dass sie ihre Schule generell für zu laut halten. Drei von vier Teilnehmern (75%) sagten, dass sie wegen des Lärms Schwierigkeiten haben, sich im Unterricht zu konzentrieren. Und mehr als die Hälfte (64%) klagte sogar über gelegentliche Kopfschmerzen im Zusammenhang mit der allgemeinen Unruhe.

Lärmquellen im Unterricht

Die Mehrheit der befragten Schüler verortet die Lärmquellen besonders im Klassenzimmer. Sieben von zehn Teilnehmern (69%) sagten etwa, dass Geräusche im Zusammenhang mit der Ausstattung (z. B. quietschende Stühle, herabfallende Materialien) besonders ermüdend seien. Als störend werden häufig aber auch Außengeräusche empfunden, z. B.  von Autos oder Straßenarbeiten. Die aktuelle Situation verschärft diese Problematik sogar noch: So gaben neun von zehn Schülern (90%) an, dass sie aufgrund der Mund-Nasenbedeckungen ohnehin bereits größere Schwierigkeiten haben, die Stimme des Lehrers zu verstehen.

Lautstärke reduzieren

Eine gute Raumakustik schafft die Basis für eine ruhige und konzentrierte Arbeitsatmosphäre. Das können Akustikdecken in Kombination mit Schallabsorbern an mindestens zwei gegenüberliegenden Wänden leisten, die aber in Schulen meist nicht zur Standardausstattung gehören. Stattdessen dominieren in vielen Klassenzimmern harte Oberflächen, die den Schall reflektieren. Sie erhöhen damit nicht nur den Geräuschpegel im Unterricht, sondern auch die Halligkeit – also das Empfinden, dass ein Raum einen langen Nachhall hat. In der Folge kommt es zum sogenannten Lombard-Effekt: Schüler und Lehrer passen ihre Stimmen entsprechend ihrer Umgebung an und sprechen in einem lauten Umfeld unwillkürlich auch selbst immer lauter.

Durchdachtes Akustikkonzept

Bei Schulsanierungen oder Neubauten lohnt es sich daher, auf ein durchdachtes Akustikkonzept zu setzen und dieses möglichst früh in die Planungen einzubeziehen. Ratsam sind Materialien/Produkte mit einem Absorptionsgrad von αw = 0,9 oder höher – das entspricht Absorptionsklasse A. Sie sollten zudem baulich und ästhetisch mit Brandschutzkonzepten und anderen Maßnahmen (z. B. in Hinblick auf die Raumluftqualität oder Nachhaltigkeit) harmonieren. Zertifizierungen durch Dritte können bei der Produktauswahl helfen.

Autor: Holger Brokmann, Konzeptentwickler für Raumakustik, Ecophon Deutschland

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