Der Patient an erster Stelle

Als der Gesundheitsbezirk Mittelfinnland das Zentralkrankenhaus in der Stadt Jyväskylä erweitern musste, wurde, anstatt das bestehende Krankenhaus zu renovieren und neue Gebäude und Abschnitte hinzuzufügen, ein neues, zusammenhängendes Krankenhaus mit einem Leitprinzip gebaut: Der Patient an erster Stelle.

Forschung & Objektbericht Gesundheitswesen

Das neue Krankenhaus in der finnischen Stadt Jyväskylä mit 140 000 Einwohnern ist das erste komplett neu gebaute Zentralkrankenhaus in Finnland seit den 1980er Jahren - folgerichtig wird es Hospital Nova genannt.

Das Krankenhausprojekt ist die größte öffentliche Investition in Finnland mit einem Budget von rund 500 Millionen Euro. Es ist eines der wichtigsten Krankenhäuser Finnlands mit einer Gesamtfläche von etwa 106 800 Quadratmetern und 3 000 Mitarbeitern.

"Dies ist ein enormes Projekt, das fast alle Bereiche des Gesundheitswesens betrifft. Das Ziel war es, eine qualitativ hochwertige, spezialisierte Umgebung zu schaffen, die sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Patienten gleichermaßen sicher und erholsam ist", sagt Jari Ilves, Projektleiter für Design und Bau des Central Finland Health Care District.

Das Personal bewegt sich um den Patienten herum

Das Prinzip "Patient first" bedeutet, dass sich der Patient nicht mehr als nötig bewegen sollte. Stattdessen ist das Konzept so ausgelegt, dass das Personal arbeiten und sich um den Patienten herum bewegen kann. Im Hospital Nova kommen Notfallversorgung, medizinische Grundversorgung, spezielle Gesundheitsversorgung und soziale Dienste als eine patientenorientierte Einheit zusammen.

"Während des Planungsprozesses haben wir Experten zusammen mit den Patienten eingesetzt. Gemeinsam haben sie neue Lösungen entwickelt, um die Prozesse zu unterstützen, die für ein neues Krankenhaus wichtig sind", erklärt Jari Ilves.

Activity-based Design für das Personal

Als erste Maßnahme für den Patienten gibt es keine speziellen Räume für Ärzte und Krankenschwestern. Stattdessen kommt das Personal zu den Patienten. Aus Sicht des Personals könnte man sagen, dass die Gestaltung der Arbeitsbereiche auf einem Activity-based-Konzept basiert. Aber der architektonische Fokus liegt in erster Linie auf den Patienten und ihrer Wahrnehmung.

"Sie sollen nicht das Gefühl haben, in ein Krankenhaus zu kommen, es hat eher das Ambiente einer Einkaufspassage. Ein Hauptgedanke ist, dass man nicht das Gefühl haben sollte, dort zu sein", sagt Architekt Juho Pietarila von JKMM Architects.

Ein geräumiges und belebendes Gefühl

Der erste Eindruck, wenn man im Hospital Nova ankommt, ist eine geräumige Lobby von 3 000 Quadratmetern. Sie hat hohe Decken und viel natürliches Licht, das den Raum durchflutet. Darüber hinaus sorgt eine aufsehenerregende Kunstbeleuchtung für ein modernes und erheiterndes Gefühl.

"Wir sind sehr zufrieden mit der Lobby. Sie macht es einfach, sich zu orientieren und zu sehen, wohin man gehen sollte, und sie hat ein gewisses Ambiente von etwas Besonderem und Neuem, nicht nur ein gewöhnliches Krankenhaus", sagt Juho Pietarila.

Es wird viel Holz verwendet, sowohl bei den Möbeln als auch bei den Wandpaneelen, um ein natürliches und gesundes Raumgefühl zu vermitteln.

"Das Licht, die natürlichen Materialien und das Empfinden der Natur sind wichtig, um eine heilende Umgebung zu schaffen."

Akustik von Anfang an berücksichtigt

Die Lobby besteht aus sehr harten Materialien wie einem Steinboden, Aluminiumpaneelen und Holzwänden. Mit anderen Worten: eine Herausforderung aus raumakustischer Sicht.

"Wir mussten die Akustik von Anfang an berücksichtigen und haben von Beginna an einen Akustikexperten einbezogen. Nicht nur wegen der riesigen Lobby. Alle Räume und Bereiche haben unterschiedliche Zwecke und mussten an gute akustische Bedingungen angepasst werden", sagt Juho Pietarila.

Alle abgehängten Decken im gesamten Gebäude, 75 000 Quadratmeter, bestehen aus akustischen Absorbern. Auch hinter den Holzwänden befinden sich versteckte Absorber.

"An einigen Wänden verwenden wir Vorhänge, die Absorber verbergen, so dass wir den Effekt sowohl von Textilien als auch von Paneelen erhalten", erklärt Juho Pietarila.

Vier verschiedene Abteilungen in einer

Das Hospital Nova ist in vier verschiedene Abschnitte unterteilt, die alle voneinander getrennt sind, sich aber dennoch unter demselben Dach befinden. Von unten nach oben sind dies:

  • Logistikabteilung, im Untergeschoss.
  • "Hot Hospital": Notfallversorgung, Chirurgie, Intensivstation, Diagnostik, Analytik etc. auf den ersten drei Ebenen.
  • Wahlleistungsbereich: Spezialisten und geplante Maßnahmen.
  • Krankenstationen: 368 Einzelpatientenzimmer in den oberen Etagen.

Ein anspruchsvolles "Hot Hospital"

Der Bereich "Hot Hospital" stellt besondere Anforderungen an alle verwendeten Materialien.

"Die Wartung ist in Gesundheitsumgebungen sehr wichtig. Alle Absorber müssen leicht zu reinigen und einfach zu öffnen und zu entfernen sein. Andererseits müssen sie die geforderten akustischen Absorptionseigenschaften haben und auch gut aussehen. Das war eine Herausforderung. Aber wir haben Lösungen gefunden, die sowohl dem Auge als auch der Funktionalität gerecht werden. Wir verwenden etwa 20 verschiedene Absorber, je nach Funktion und Umgebung."

Diese Lösungen stellen auch den Projektleiter, Jari Ilves, zufrieden.

"Die Anforderungen an die akustische Umgebung in Krankenhäusern sind durch das finnische Gesetz festgelegt. Aber es gibt viele Bereiche in Krankenhäusern, in denen man eine detailliertere Planung und Anpassung der Akustikumgebung benötigt. Wir erwarten Qualität und die Ecophon-Akustiklösungen im Hospital Nova erfüllen unsere Anforderungen."

Ein umfangreiches Kunstprogramm

Das Hospital Nova Projekt nimmt die visuellen Ansprüche ernst. Neben dem hochwertigen architektonischen Konzept bietet das Krankenhaus auch ein ambitioniertes Kunstprogramm. Inspiriert von den Nationalparks in Mittelfinnland bringt es die Natur ins Haus. Einige der Kunstwerke wurden in das Gebäude integriert.

"Unser Ziel ist es, die großartige finnische Natur mit Hilfe von Kunst unseren Patienten und Mitarbeitern näher zu bringen", sagt Projektleiter Jari Ilves.

Kunst kann man in der Lobby, den Atrien, den Wartebereichen und auf den Stationen finden und genießen. In den oberen Etagen ist das Thema der Kunstwerke ein beschützender Wald. In den unteren Etagen ist das gewählte Thema fließendes Wasser.

"Kunst ist heilend, tröstend und rehabilitierend, sie hebt unsere Stimmung, verbessert unsere Lebensqualität und ist eine Quelle des Wohlbefindens", so Jari Ilves.

 

Text: Lars Wirtén

Krankenhaus Nova, Jyväskylä, Finnland

  • Budget rund 500 Millionen Euro.
  • Eines der größten Krankenhäuser in Finnland.
  • Die Gesamtfläche beträgt etwa 106 800 Quadratmeter.
  • 250 Meter lang, 100 Meter breit und 40 Meter hoch.
  • 75 000 Quadratmeter abgehängte Decken.
  • 3 000 Mitarbeiter.
  • 360 Sprechzimmer und Untersuchungsräume.
  • 24 Operationssäle.
  • 368 Betten auf den Stationen.