Videokonferenz-Räume – Das neue Normal

Die Pandemie hat ihre Spuren hinterlassen:
Die beruflichen Interaktionen haben zunehmend digital stattgefunden – mehr als jemals zuvor. Durch die neue Alltäglichkeit von Videokonferenzen sind dementsprechend schnell die Defizite in der Qualität der genutzten Räume deutlich geworden. Eine schlechte raumakustische Umgebung führt bei allen Beteiligten zu Unbehagen, Ermüdung, Konzentrationsschwächen.

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Dieser Artikel soll einen kurzen Überblick auf die Probleme und deren Lösungen geben.

1. Planung: Die Raumakustik von Videokonferenzräumen muss schon in der Entwurfsphase professionell geplant werden!

2. Schallabsorption: Der Einsatz von schallabsorbierende Materialien ist maßgeblich, um den Nachhall* zu verringern und somit die Deutlichkeit der Sprache (Speech Clarity) zu verbessern.
Folgende Maßnahmen sind zielführend:

  • Montage von Akustikdecken der Schallabsorptionsklasse A**
  • Montage von Wandabsorbern der Schallabsorptionsklasse A**an zwei angrenzenden Wänden
  • schallabsorbierende Vorhänge einplanen
  • schallabsorbierende Möbel einsetzen

3. Geometrie: Die Geometrie des Raumes spielt auch eine wichtige Rolle. Als allgemeine Faustregel gilt, dass eine eher asymmetrische Raumgeometrie bessere akustische Bedingungen bietet, wenn absorbierende Materialien bereits vorhanden sind. Schräge oder gekrümmte Flächen beeinflussen die Richtung der Schallausbreitung und sorgen dafür, dass Schallwellen nicht zwischen parallelen Flächen hin und her reflektiert werden.

4. Schalldämmung: Die Wände eines Videokonferenzraumes sollten bis zur Rohdecke geführt werden, um die Schallübertragung außerhalb des Videokonferenzraumes in andere Bereiche zu verhindern.

5. Technik: Der am häufigsten verwendete Mikrofontyp in Videokonferenzräumen ist ein Mikrofon mit Kugelcharakteristik. Diese Art von Mikrofon nimmt den Schall aus allen Richtungen auf, was flexible Sprecherpositionen erlaubt. Im Gegensatz zu Richtmikrofonen und eingebauten Laptop-Mikrofonen, sind diese Mikrofone allerdings sehr anfällig für Nebengeräusche. Als Faustregel gilt, dass ein Sprecher sich maximal zwei Meter von einem Mikrofon entfernt aufhalten sollte, um eine gute Übertragung der Sprachsignale gewährleisten zu können. In Räumen mit schlechten akustischen Bedingungen sollte der Sprecher möglichst direkt vor dem Mikrofon stehen. Ein Mikrofon, das auf einem Tisch platziert wird, sollte möglichst eine weiche Unterlage haben, um Schwingungen des Tisches zu absorbieren.


*Nachhall: kontinuierliche Reflexionen von Schallwellen (Schallreflexionen) in einem geschlossenen Raum
**Klasse A: Akustikelemente werden nach einem in der DIN EN 11654 festgelegten Verfahren einer der Schallabsorptionsklassen A, B, C, D oder E zugeordnet, die auf dem jeweils bewerteten Schallabsorptionsgrad basieren.

Autor: Volker von Baczko, Consultant for Room Acoustics bei Ecophon Deutschland

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